{"id":876,"date":"2018-03-19T10:12:11","date_gmt":"2018-03-19T09:12:11","guid":{"rendered":"http:\/\/dresdentipps.de\/?p=876"},"modified":"2018-03-19T10:12:11","modified_gmt":"2018-03-19T09:12:11","slug":"keine-schnaeppchen-in-den-den-staedten-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dresdentipps.de\/?p=876","title":{"rendered":"Keine Schn\u00e4ppchen in den den St\u00e4dten mehr"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:left' class='yasr-auto-insert-visitor'><\/div><p>In begehrten Lagen sind Immobilien teuer und selten zu haben. Warum also keine Wohnung oder ein Haus per Zwangsversteigerung erwerben? Leider ist das nicht ganz so einfach.<\/p>\n<p>Der Saal 1.115 des D&uuml;sseldorfer Amtsgerichts ist bei vergleichbaren Anl&auml;ssen meist gut gef&uuml;llt, oftmals reichen die St&uuml;hle nicht f&uuml;r alle Besucher aus. Aber diesmal haben sich nur etwa 20 Personen zur Zwangsversteigerung eingefunden. Und l&auml;ngst nicht alle wollen mitbieten. Zwei Frauen sind sogar mit ihren kleinen Kindern gekommen, nur um die Auktion einer Wohnung einmal mitzuerleben.<\/p>\n<p>Vielleicht war die gro&szlig;z&uuml;gige Zweizimmerwohnung mit 121 Quadratmeter vielen potenziellen Bietern doch zu teuer. Sie liegt im gefragten Stadtteil Niederkassel in einer Sackgasse, die direkt zum Rheinufer f&uuml;hrt &ndash; eine begehrte Lage in bester Wohngegend. Der Gutachter des Gerichts hat den Verkehrswert der normal ausgestatteten Immobilie auf 580.000 Euro gesch&auml;tzt. Eine H&auml;lfte der zum Haus geh&ouml;renden Doppelstockgarage kann im gleichen Verfahren separat ersteigert werden.<\/p>\n<p>Zwangsversteigerungen von Immobilien &uuml;ben auf Wohnungsuchende und Anleger eine gro&szlig;e Faszination aus. Ihre Hoffnung: Ein Immobilienkauf zu einem Preis, der deutlich unter den &uuml;blichen Marktpreisen liegt. Dann w&auml;re das Eigenheim erschwinglich und gut finanzierbar &#8211; oder eine Vermietung lukrativ. Dementsprechend besuchen im Wesentlichen drei Typen von Kaufinteressenten die Zwangsversteigerungen bei Gericht: Eigennutzer auf Schn&auml;ppchenjagd, Vermieter auf der Suche nach Renditeobjekten und Wiederverk&auml;ufer, die die Immobilie zuerst wertsteigernd sanieren oder schlicht auf steigende Preise warten, bevor sie mit m&ouml;glichst gro&szlig;em Gewinn weiterverkaufen.<\/p>\n<p>Die gro&szlig;en Fragen lauten also: &#8222;Lohnt sich ein Immobilienkauf &uuml;ber eine Zwangsversteigerung? Und wie l&auml;uft so ein Zwangsversteigerungsverfahren ab? Worauf m&uuml;ssen K&auml;ufer achten, damit der Immobilienkauf nicht in einer finanziellen Katastrophe endet? Zwangsversteigerungen von Immobilien sind heute sehr transparente Veranstaltungen. Termine und Informationen zu den Objekten gibt es f&uuml;r das gesamte Bundesgebiet unter www.zvg-portal.de. Bis auf Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Th&uuml;ringen vermerken hier alle Bundesl&auml;nder ihre Zwangsversteigerungstermine und stellen mal mehr mal weniger Informationen zum Objekt zur Verf&uuml;gung.<\/p>\n<p>Das Verfahren in D&uuml;sseldorf leitet Thomas Keilh&auml;uber. Er ist Rechtspfleger und damit ein Beamter des gehobenen Dienstes, der per Gesetz erm&auml;chtigt ist, beispielsweise Familien- und Nachlassverfahren oder eben Zwangsvollstreckungen sowie Mahn- und Insolvenzverfahren zu leiten. Im holzget&auml;felten Gerichtssaal verliest Keilh&auml;uber die Forderungen gegen den bisherigen Immobilieneigent&uuml;mer sowie die wesentlichen Grundbucheintr&auml;ge zum Objekt. An die Besucher gewandt, fasst er nochmal zusammen: &#8222;Sie bieten hier auf ein Objekt, das seit zirka einem Jahr leer steht. Die Forderungen der Wohneigent&uuml;mergemeinschaft summieren sich auf etwa 20.000 Euro, die aus dem Erl&ouml;s beglichen werden.&#8220; Keilh&auml;uber verdeutlicht, dass die zuvor verlesenen Grundbuchlasten mit erfolgter Versteigerung erl&ouml;schen. &#8222;Sie sind also bei Zuschlag nicht mehr zus&auml;tzlich zu bezahlen. Die Immobilie ist damit laut Grundbuch lastenfrei.&#8220;<\/p>\n<p>Kaufinteressenten k&ouml;nnen sich vorab bereits ein recht genaues Bild vom Wert der Immobilie machen. Wichtigste Informationsquelle ist das zentrale Online-Portal f&uuml;r Zwangsversteigerungen in Deutschland unter www.zvg-portal.de. Zu jedem Zwangsversteigerungstermin gibt es hier eine Bekanntmachung mit Aktenzeichen, wesentlichen Angaben zur Wohnung wie Adresse, Gr&ouml;&szlig;e, Baujahr und gesch&auml;tztem Verkehrswert. Letzterer ergibt sich meist aus einem kurzen Expos&eacute; oder einem Gutachten. Gutachten geben oft die Gerichte in Auftrag, dann sind sie online oftmals auch abrufbar. Ansonsten m&uuml;ssen sie bei Gericht angefordert werden. Das Gutachten selbst gibt detailliert Auskunft &uuml;ber Zustand, Ausstattung und Lage der Immobilie, m&ouml;glichen Sanierungsbedarf, Marktdaten und realisierbare Mieteinnahmen. Auf dieser Basis k&ouml;nnen Interessenten schon recht gut entscheiden, ob das Mitbieten lohnt.<\/p>\n<p>Das Mindestgebot liegt bei Zwangsversteigerungen im ersten Verfahren bei 50 Prozent des Verkehrswerts, im geschilderten Fall somit bei 290.000 Euro. Das w&auml;re f&uuml;r das boomende D&uuml;sseldorf konkurrenzlos g&uuml;nstig. Keilh&auml;uber weist aber darauf hin, dass die Gl&auml;ubiger den Zuschlag verweigern k&ouml;nnen, wenn er bei weniger als 70 Prozent des Verkehrswerts laut Gutachten erfolgt. Sollte es einen zweiten Zwangsversteigerungstermin geben, gelten diese Grenzen allerdings nicht mehr, auch nicht die Mindestgebotsgrenze von 50 Prozent.<\/p>\n<p>Wer mitbieten will, muss sich dar&uuml;ber im Klaren sein, welche Kosten nach dem Kauf noch auf ihn zukommen. Das k&ouml;nnen dringende Sanierungsarbeiten, fehlende R&uuml;cklagen der Eigent&uuml;mergemeinschaft oder auch eine &uuml;bernommene Grundschuld sein. Bei der D&uuml;sseldorfer Wohnung sind aber Steuern und Geb&uuml;hren f&auml;llig. &#8222;Die Gerichtskosten sind mit dem Zuschlag bereits abgegolten. Auf den Kauf f&auml;llt jedoch Grunderwerbsteuer an, zudem ist vom K&auml;ufer der Grundbucheintrag zu bezahlen&#8220;, erg&auml;nzt Keilh&auml;uber noch. &#8222;Die Mindestbietzeit endet um 12:05 Uhr.&#8220;<\/p>\n<p>Nach den Formalien geht es endlich los. In den ersten 20 Minuten kommt die Auktion allerdings nur schleppend in Fahrt. Wer bieten will, muss dem Rechtpfleger erst eine Sicherheitsleistung von zehn Prozent des Verkehrswertes vorlegen, entweder als Bankb&uuml;rgschaft oder in Form eines Verrechnungsschecks. Als erste treten zwei M&auml;nner um die 40 an das Richterpult, pr&auml;sentieren Ausweise sowie Bankb&uuml;rgschaften und geben gemeinsam ein Gebot ab. Keilh&auml;uber verk&uuml;ndet die Namen des Bieterpaares, dass die Sicherheiten ausreichend seien und f&uuml;r die Wohnung damit 300.000 Euro geboten seien.<\/p>\n<p>Ein paar Minuten sp&auml;ter bietet ein junger Mann 310.000 Euro. Einem &auml;lteren Herrn geht das zu langsam. Er will f&uuml;r alle h&ouml;rbar gleich sieben Zehntel des Verkehrswerts bieten, &#8222;also 430.000 Euro&#8220;. Die Gl&auml;ubiger k&ouml;nnten so einen Zuschlag nicht anfechten.<\/p>\n<p>Um 12 Uhr nimmt das Geschehen dann richtig Fahrt auf: Vier verbliebene Bieter rufen binnen Minuten neue Gebote durch den Saal, einige Male steigt das H&ouml;chstgebot gleich um 10.000 Euro. &#8222;Ich rufe das vorliegende Meistgebot hiermit zum dritten Mal zum Gebot auf&#8220;, sagt Keilh&auml;uber endlich. Als niemand sein Gebot erh&ouml;hen will, verk&uuml;ndet er: &#8222;Versteigert f&uuml;r 580.000 Euro&#8220;. Es ist 12:20 Uhr. Nach knapp eineinhalb Stunden ist die Zwangsversteigerung von Wohnung sowie Garage vorbei.<\/p>\n<p>Deutlich &uuml;ber den Verkehrswert wollte niemand mehr bieten. Die nicht einmal luxuri&ouml;se Zweizimmerwohnung in guter Lage wechselt zum gesch&auml;tzten Marktpreis den Besitzer, von einem g&uuml;nstigen Kauf kann also keine Rede sein. &#8222;Schn&auml;ppchen gibt es schon lange nicht mehr&#8220;, sagt Margit Frei, Immobilieninvestorin aus Hamminkeln, anschlie&szlig;end vor dem Gerichtssaal. Bei 556.000 Euro ist sie ausgestiegen. &#8222;Es gibt kaum noch Mietsh&auml;user, die zur Versteigerung kommen. Wohnungen wie diese in guter Lage sind sehr selten geworden.&#8220; Ihr letzter Schn&auml;ppchenkauf im Ruhrgebiet &#8211; zur H&auml;lfte des angesetzten Verkehrswertes -, liegt schon ein paar Jahre zur&uuml;ck. &#8222;Wenn ich daran denke, beschwingt mich das noch heute&#8220;, gesteht Frei.<\/p>\n<p>Frei beklagt auch, was Rechtspfleger Keilh&auml;uber best&auml;tigt: die Zahl der Zwangsversteigerungen insgesamt ist rapide gesunken. &#8222;Vor mehr als f&uuml;nf Jahren hatten wir noch mehr als 1000 Verfahren im Jahr, jetzt sind es noch 150. Ich h&auml;tte auch mehr Besucher erwartet&#8220;, sagt Keilh&auml;uber.<\/p>\n<p>H&auml;ufig, so Keilh&auml;uber, k&auml;men Teilungsversteigerungen vor. Die hei&szlig;en so, weil sie unteilbares Verm&ouml;gen &ndash; etwa eine Wohnung oder ein Grundst&uuml;ck &#8211; teilbar machen: der Erl&ouml;s wird unter Erben oder Scheidungspaaren aufgeteilt. Verbreitet sind auch Zwangsversteigerungen auf Betreiben der kreditgebenden Banken, da sie in der Regel die h&ouml;chsten Forderungen gegen den Eigent&uuml;mer haben und als erstrangige Gl&auml;ubiger im Grundbuch eingetragen sind. Dadurch ist sichergestellt, dass der Versteigerungserl&ouml;s zuerst dem Begleichen der Bankschulden dient.<\/p>\n<p>Eine Gesetzes&auml;nderung von 2007 erm&ouml;glicht es allerdings auch Hausverwaltern die Versteigerung zu beantragen und so an die Stelle des erstrangigen Schuldners zu treten. Bis zu f&uuml;nf Prozent des Verkehrswertes erh&auml;lt die Hausverwaltung zum Ausgleich der offenen Forderungen gegen den Eigent&uuml;mer &#8211; vor allen anderen Gl&auml;ubigern. Meist geht es um das Hausgeld f&uuml;r die Wohnungsverwaltungen und Beitr&auml;ge zur Instandhaltungsr&uuml;cklage.<\/p>\n<p>Immobilienkaufmann Lars Kramer, Inhaber der Wohnungsverwaltung Kramer GmbH aus Erkrath, hat nicht nur die Zwangsversteigerung der Niederkasseler Wohnung als Gl&auml;ubiger betrieben, sondern schon viele solcher Auktionen erlebt. Er kennt die vielen Schicksale dahinter: H&auml;ufig seien Krankheit oder Arbeitslosigkeit der Grund daf&uuml;r, dass Immobilienk&auml;ufer ihre Kreditraten nicht mehr zahlen. &Uuml;blicherweise betreiben dann die finanzierenden Banken die Zwangsversteigerung vor Gericht. &#8222;Die Banken haben aber oft gar kein Interesse an Zwangsversteigerungen&#8220;, hat Kramer beobachtet. &#8222;Denn wenn der Zuschlag deutlich unter dem Beleihungswert der Bank liegt, muss sie ihre Forderungen abschreiben. Passiert das &ouml;fter, gibt es gro&szlig;e L&ouml;cher in den Bankbilanzen &ndash; vor allem, wenn die Immobilien regelm&auml;&szlig;ig zu optimistisch bewertet und zu hoch finanziert wurden&#8220;, hat Kramer beobachtet.<\/p>\n<p>Kramer erinnert sich noch gut an den Immobilienboom in der zweiten H&auml;lfte der Neunzigerjahre. &#8222;Damals wurden Immobilien als Steuersparmodelle f&uuml;r Kapitalanleger vertrieben. Die Banken haben gro&szlig;z&uuml;gig finanziert, oft hundert Prozent und mehr mit wenig oder gar keiner Tilgung&#8220;, erinnert sich Kramer. &#8222;Nach Ablauf der Mietgarantie von meistens drei Jahren haben viele ein b&ouml;ses Erwachen erlebt. Um das Jahr 2000 herum gingen diese K&auml;ufer reihenweise pleite, als sie merkten, dass die Wohnungen nicht kostendeckend zu vermieten waren.&#8220; Erst k&uuml;rzlich, berichtet Kramer, habe er eine 83-Quadratmeter-Wohnung zwangsversteigern m&uuml;ssen, die Ende der Neunziger f&uuml;r 224.000 D-Mark gekauft und mit einem 120.000-Euro Kredit finanziert worden sei. Aktuell gesch&auml;tzter Verkehrswert: nur noch 69.000 Euro. &#8222;Die Generation dieser Immobilienk&auml;ufer geht jetzt in Rente&#8220;, mahnt Kramer mit Blick auf die schwindende Finanzkraft der K&auml;ufer von damals. Vielleicht noch ein paar Jahre, dann w&uuml;rde der Immobilienmarkt zusammenbrechen.<\/p>\n<p>Mittlerweile werden auch bei Zwangsversteigerungen Gro&szlig;stadt-Immobilien oft mit einem Aufschlag auf den Verkehrswert gekauft. Kramer h&auml;lt das f&uuml;r ein Warnsignal. &#8222;Das lohnt sich nicht mehr. Der H&ouml;chstbietende zahlt f&uuml;r die Wohnung in Niederkassel mit Garage, Grunderwerbsteuer und Grundbucheintragung rund 650.000 Euro. Selbst wenn die Wohnung f&uuml;r 13,50 Euro je Quadratmeter vermietbar w&auml;re &ndash; was selbst f&uuml;r D&uuml;sseldorf teuer w&auml;re, entspr&auml;chen die Kaltmieteinnahmen nur noch einer Rendite von 2,5 Prozent. Und davon gehen noch Kosten f&uuml;r Renovierung und Reparaturen sowie nicht umlegbare Nebenkosten wie die Instandhaltungsr&uuml;cklagen ab&#8220;, rechnet der Hausverwalter vor.<\/p>\n<p>F&uuml;r Kapitalanleger ist solch ein Investment riskant. Es steht und f&auml;llt mit der Vermietbarkeit. Sind die Mieten aber zu hoch und gute Mieter schwer zu finden, droht Leerstand. Auch h&auml;ufige Mieterwechsel k&ouml;nnen ordentlich ins Geld gehen. F&uuml;r eine Renovierung kann ein Vermieter acht- bis zehntausend Euro veranschlagen, eine gr&uuml;ndlichere Wohnungssanierung kostet eher 20.000 bis 25.000 Euro.<\/p>\n<p>&#8222;Die D&uuml;sseldorfer Immobilienpreise sind rational nicht mehr zu erkl&auml;ren, ebenso wenig in St&auml;dten wie K&ouml;ln, Stuttgart oder M&uuml;nchen&#8220;, sagt Kramer, der die Zwangsversteigerung der Wohnung wegen ausstehender Hausgeldzahlungen gegen den Eigent&uuml;mer angestrengt hat. &#8222;F&uuml;r Anleger, die als Vermieter Geld damit verdienen wollen, sind die aufgerufenen Preise l&auml;ngst unattraktiv.&#8220;<\/p>\n<p>Tats&auml;chlich ging es dem K&auml;ufer der Wohnung in Niederkassel auch nicht um die Rendite. Er will sie selbst nutzen.<\/p>\n<p>Quelle: Wirtschaftswoche<\/p>\n<h3>PRESSEKONTAKT<\/h3>\n<p><b>wwr publishing GmbH &#038; Co. 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