{"id":567,"date":"2018-03-12T09:48:07","date_gmt":"2018-03-12T08:48:07","guid":{"rendered":"http:\/\/dresdentipps.de\/?p=567"},"modified":"2018-03-12T09:48:07","modified_gmt":"2018-03-12T08:48:07","slug":"kann-deutschland-kein-bim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dresdentipps.de\/?p=567","title":{"rendered":"Kann Deutschland kein BIM!?"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:left' class='yasr-auto-insert-visitor'><\/div><p>Da stellt sich die berechtigte Frage: Wenn BIM so viele Vorteile bietet, warum wird es dann in Deutschland bisher so selten angewendet? Aus meiner Sicht liegt das zum einen an der Immobilienwirtschaft selber. Diese ist in &ndash; man kann fast sagen &ndash; mehrere Branchen unterteilt.<\/p>\n<p>W&auml;hrend beispielsweise im angels&auml;chsischen Raum nach dem Prinzip des Design Build gebaut wird &ndash; also ein Unternehmen plant und erstellt alle Gewerke &ndash; handeln bei uns die Planer teilweise autark und sehen nur ihr Werk, das sie mit anderen Fachplanern gemeinsam erstellen. Dann kommen die Baufirmen, die ebenfalls Subunternehmen f&uuml;r die einzelnen Gewerke beauftragen und sich versuchen zu optimieren, ohne das fertige Geb&auml;ude in der Zukunft im Blick zu haben. Als dritte sehen die Bauherren &ndash; wenn sie nicht wie wir als CREM agieren &ndash; auch nur den Bau und nicht den sp&auml;teren Betrieb und sind wie die Finanzbranche einzig und allein an den Kosten und dem aktuellen Marktwert interessiert.<\/p>\n<p>Tipp: So ver&auml;ndert Building Information Modeling (BIM) die Prozesse in den Unternehmen.<\/p>\n<p>Jeder dieser Beteiligten verfolgt seine eigenen Interessen &ndash; und nur die. Keiner erkennt scheinbar das gro&szlig;e Bild und die M&ouml;glichkeiten, mit den generierten Daten neue Gesch&auml;ftsfelder zu erschlie&szlig;en. Bei dem teilweisen Einsatz von BIM wie wir ihn derzeit erleben, wird versucht nach konventionellen Abl&auml;ufen das gro&szlig;e Ganze aus den vorher zerlegten Einzelteilen wieder zusammenzuf&uuml;gen, anstatt neue konsistente Prozesse und der Technik angepasste Abl&auml;ufe zu implementieren.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: An einem Deckensegel in einem modernen B&uuml;rogeb&auml;ude h&auml;ngt ein Brandmelder, ein Bewegungsmelder, innen ist ein K&uuml;hlelement montiert sowie Licht und D&auml;mmung f&uuml;r die Akustik. An so einem Deckensegel arbeiten heute vier und mehr Gewerke &ndash; nicht selten gleichzeitig &ndash; auf der Baustelle. Daf&uuml;r hat der Generalunternehmer mehrere Ausschreibungen gemacht und auf jede davon haben zehn bis 20 Firmen angeboten. Mit BIM geplant k&ouml;nnte dies sehr viel einfacher und schneller als Bauelement &bdquo;Deckensegel&ldquo; vergeben, entsprechend vorgefertigt komplett auf der Baustelle angeliefert und im Ganzen montiert werden.<\/p>\n<p>Das zeigt, welche Potenziale BIM gerade im Innenausbau bietet. Beim Neubau des Siemens Headquarters in M&uuml;nchen standen nicht selten mehr als 600 Arbeiter von zig Gewerken gleichzeitig auf der Baustelle und sich dabei teilweise auch im Weg.<\/p>\n<p>F&uuml;nf Punkte die sich f&uuml;r BIM bessern m&uuml;ssen<\/p>\n<p>Und das geht weiter, denn anhand der mit BIM zum Beispiel aus dem Deckensegel erhaltenen Daten kann das Facility Management ganz neue Wege beschreiten &ndash; von der bisher &uuml;blichen Reparatur auf Zuruf hin zu einer vorhersehenden Instandhaltung, denn anhand der Sensoren und m&ouml;glichen Vernetzung der Bauelemente wei&szlig; es vorher, was wann f&uuml;r welche Kosten gewartet werden muss. Und im Betrieb erkennen wir anhand der Bewegungsmelder, welche R&auml;ume wie genutzt wurden, k&ouml;nnen die Fl&auml;chennutzung, die Reinigung und den Energieverbrauch optimieren und so die Betriebskosten senken.<\/p>\n<p>Sie werden sagen, das geht doch heute auch schon &ndash; ja das stimmt. Heute gibt es aber f&uuml;r jedes Thema einzelne Handlungsstr&auml;nge, die teilweise h&auml;ndisch gesteuert werden m&uuml;ssen. In Zukunft reden wir von einem vernetzten System, das &uuml;ber Algorithmen bestimmte Steuerungen und Auswertungen selbstst&auml;ndig f&auml;hrt. Stellt sich die Frage: Was k&ouml;nnen, oder besser gesagt m&uuml;ssen wir tun, damit BIM auch in Deutschland &bdquo;fliegt&ldquo;? Meines Erachtens gibt es hier f&uuml;nf gro&szlig;e Handlungsfelder:<\/p>\n<p>1. Die HOAI muss ge&auml;ndert werden. Sie war hilfreich, so lange der Markt f&uuml;r Planungsleistungen sehr volatil war. Heute jedoch sind die Auftragsb&uuml;cher voll und der marktregulierende Honorarwettbewerb nicht l&auml;nger gegeben. Zudem l&auml;sst sie, als Grundlage f&uuml;r die Beauftragung genommen, den Eindruck entstehen, es w&uuml;rden mehr Informationen oder Leistungen beim Einsatz von BIM abgefordert. Dies ist aber nicht der Fall. Es werden &ndash; vereinfacht gesagt &ndash; nur viele Informationen fr&uuml;her gefordert.<br \/>2. Gleiches gilt f&uuml;r das Haftungsrecht. Der Planer, der ein &bdquo;Werk&ldquo; schuldet, obwohl er es gar nicht erstellt, bildet die Realit&auml;t nicht ab. Das muss angepasst werden. Auch hier gibt es hilfreiche Vorgaben im angels&auml;chsischen Markt.<br \/>3. Die Investoren m&uuml;ssen motiviert werden, BIM zum Standard zu erkl&auml;ren. Wenn beispielsweise die vernetzte Stadt von der Politik zum Ziel der Zukunft erkl&auml;rt wird, werden die dazu ben&ouml;tigten Standards auch beauftragt und geliefert. Vergleichbar mit der Einf&uuml;hrung der EnEv, die beispielsweise die Standards f&uuml;r die D&auml;mmung von Geb&auml;uden erheblich verbessert und damit den Energieverbrauch deutlich reduziert hat.<br \/>4. BIM muss in die Ausbildung von Architekten, Bauingenieuren und Fachplanern Einzug halten. Alles, was dort gelehrt wird, ist richtig und wichtig, aber weitestgehend fehlt nach wie vor die digitale Facette.<br \/>5. Auch wir Bauherren m&uuml;ssen unsere Entscheidungsprozesse optimieren und viel fr&uuml;her die wesentlichen Parameter der Anforderungen festlegen und einhalten. St&auml;ndiges &Auml;ndern bis zur &Uuml;bergabe kann nicht das Prinzip sein.<\/p>\n<p>In den USA arbeitet man bei Neubauten schon seit vielen Jahren mit digitalen Datenmodellen. Vielleicht sind diese Datenmodelle noch nicht so umfassend, wie wir sie in Zukunft brauchen. Zumindest ist man dort aber schon mal wesentlich weiter und offener als wir in Deutschland.<\/p>\n<p>SRE-Projektbeispiele mit BIM<\/p>\n<p>2011 entstand in Charlotte, North Carolina, ein 45.000-Quadratmeter-Werk f&uuml;r gro&szlig;e Gasturbinen f&uuml;r einen hohen zweistelligen Millionen-Dollar Betrag. Der Bauunternehmer vor Ort hat dieses Werk komplett in BIM aufgebaut und dar&uuml;ber auch die Vorfertigung konfiguriert. In nur elf Monaten Bauzeit war das Werk fertig. Im vergangenen Jahr wurde in Cuxhaven eine Fertigungshalle im vergleichbaren Umfang errichtet. Ebenfalls mit extrem kurzer Bauzeit, aber leider aufgrund mangelnder bauseitiger Expertise ohne BIM und im weiteren Ergebnis mit gro&szlig;en Schwierigkeiten, den Zeitplan einzuhalten. Einzig die Stahl- und die Haustechnik haben f&uuml;r ihre Arbeiten BIM-Modelle erstellt, damit ihre Fehlerquote reduziert und ihre Arbeiten optimiert.<\/p>\n<p>Auch in Osteuropa und vielen L&auml;ndern Westeuropas ist man bei BIM deutlich weiter. In Hull an der britischen Ostk&uuml;ste wurde in den vergangenen Jahren eine neue Mega-Fabrik f&uuml;r Rotorbl&auml;tter von Offshore-Windkraftanlagen gebaut &ndash; nat&uuml;rlich mit BIM und mit daraus resultierenden erheblichen Kosten- und Zeitersparnissen. Und auch in Asien h&ouml;ren Auftraggeber bei Neubauprojekten: &bdquo;Ihr wollt BIM, ok, machen wir.&ldquo;<\/p>\n<p>Bei deutschen Gro&szlig;projekten kann man derzeit erleben, dass Projektpartner zwar auf Wunsch des Auftraggebers die BIM-Methode einsetzen, daf&uuml;r aber nicht richtig aufgestellt sind. Potenzielle Vorteile aus BIM werden schnell durch Doppelarbeit und Probleme aufgehoben.<\/p>\n<p>Die Vorteile, die BIM nicht nur beim Bau, sondern auch weit dar&uuml;ber hinaus bietet, werden gerade bei Gro&szlig;projekten besonders deutlich. So werden etwa beim Siemens Campus in Erlangen in den kommenden Jahren &uuml;ber 300.000 Quadratmeter B&uuml;ro-, Labor-, Hotel- und Konferenzfl&auml;che in rund 20 Geb&auml;uden entstehen.<\/p>\n<p>Hier ist es essenziell, dass diese Geb&auml;ude und ihre Infrastruktur miteinander vernetzt werden, um sie sp&auml;ter deutlich effizienter betreiben zu k&ouml;nnen. Das senkt die Betriebskosten, er&ouml;ffnet M&ouml;glichkeiten f&uuml;r neue Service-Angebote und kommt damit den Nutzern zugute.<\/p>\n<p>Wesentlich ist auch, nicht nur das einzelne Geb&auml;ude zu betrachten, sondern die ganze Stadt. Wenn man nur an Stichworte wie Elektromobilit&auml;t und autonomes Fahren und die daf&uuml;r notwendige Infrastruktur denkt, dann wird das ohne digitale Datenmodelle der Umgebung kaum umsetzbar oder auch steuerbar sein.<\/p>\n<p>Hier ist die Politik gefordert. W&auml;hrend in Gro&szlig;britannien bereits seit einigen Jahren &ouml;ffentliche Geb&auml;ude mit BIM geplant und gebaut werden m&uuml;ssen, soll dies in Deutschland erst ab 2020 verbindlich werden. Der deutsche Markt verharrt in alt hergebrachten Strukturen und Abl&auml;ufen. Zwar wird auch in unserer Politik viel dar&uuml;ber geredet, jedoch wenig konkret umgesetzt. Wir brauchen verbindliche, aber auch pragmatische Standards, die sich schnell und flexibel an die durch die Digitalisierung entstehenden und wachsenden Herausforderungen anpassen lassen.<\/p>\n<p>Abschlie&szlig;end m&ouml;chte ich au&szlig;erdem allen meinen Kollegen in der Bauwirtschaft, allen Planern und Baufirmen zurufen: Uns geht es in der deutschen Immobilienwirtschaft derzeit so gut, wie selten zuvor. Nutzen Sie diese guten Zeiten und investieren Sie in die Zukunft. Investieren Sie in BIM und digitale Standards. Denn ich bin &uuml;berzeugt, dass zuk&uuml;nftig neben der Lage auch die Daten, die in einem Geb&auml;ude &bdquo;gespeichert&ldquo; sind, eine wesentliche Rolle f&uuml;r die Festlegung des Marktpreises einer Immobilie spielen werden. Plakativ formuliert wird es schon bald nicht mehr nur hei&szlig;en &bdquo;Lage, Lage, Lage&ldquo;, sondern auch &bdquo;Daten, Daten, Daten&ldquo;.<\/p>\n<h3>PRESSEKONTAKT<\/h3>\n<p><b>wwr publishing GmbH &#038; Co. KG<\/b><br \/>Steffen Steuer<\/p>\n<p>Frankfurter Str. 74<br \/>64521 Gro\u00df-Gerau<\/p>\n<p>Website: www.wwr-publishing.de<br \/>E-Mail : steuer@wwr-publishing.de<br \/>Telefon: +49 (0) 6152 9553589<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/\/account.presse-services.de\/tools\/artv.php?xxad=2040-1221\" style=\"position:absolute; visibility:hidden\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BIM wird in den angels\u00e4chsischen, osteurop\u00e4ischen und asiatischen M\u00e4rkten BIM heute vielerorts schon genutzt. Hier in Deutschland wird nur dar\u00fcber geredet. Die Defizite gehen sogar so weit, dass inzwischen deutschen Firmen Marktteilnehmer aus Osteuropa als Projektpartner empfohlen werden, damit sie ihre Auftr\u00e4ge erf\u00fcllen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"yasr_overall_rating":0,"yasr_post_is_review":"","yasr_auto_insert_disabled":"","yasr_review_type":""},"categories":[858],"tags":[1486,1487,1488],"yasr_visitor_votes":{"stars_attributes":{"read_only":false,"span_bottom":false},"number_of_votes":0,"sum_votes":0},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/567"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=567"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/567\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=567"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=567"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=567"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}