{"id":5000,"date":"2022-04-29T05:30:33","date_gmt":"2022-04-29T03:30:33","guid":{"rendered":"https:\/\/dresdentipps.de\/?p=5000"},"modified":"2022-04-28T16:55:26","modified_gmt":"2022-04-28T14:55:26","slug":"verhandlungstermin-am-2-juni-2022-um-9-00-uhr-in-sachen-vii-zr-174-19-unionsrechtswidrigkeit-der-hoai-mindestsaetze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dresdentipps.de\/?p=5000","title":{"rendered":"Verhandlungstermin am 2. Juni 2022 um 9.00 Uhr in Sachen VII ZR 174\/19 (Unionsrechtswidrigkeit der HOAI-Mindests\u00e4tze)"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:left' class='yasr-auto-insert-visitor'><\/div><div class=\"generictable\">\n<p>Der schwerpunktm\u00e4\u00dfig unter anderem f\u00fcr das Architektenrecht zust\u00e4ndige VII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat im Rahmen der Verg\u00fctungsklage eines Ingenieurs dar\u00fcber zu entscheiden, ob die Mindests\u00e4tze der Verordnung \u00fcber die Honorare f\u00fcr Architekten- und Ingenieurleistungen (HOAI) in der Fassung aus dem Jahr 2013 in einem laufenden Gerichtsverfahren zwischen Privatpersonen weiterhin als verbindliches Preisrecht Anwendung finden, obwohl der Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union (EuGH) in einem von der Europ\u00e4ischen Kommission betriebenen Vertragsverletzungsverfahren durch Urteil vom 4. Juli 2019 (C-377\/17) entschieden hat, dass die Bundesrepublik Deutschland dadurch gegen ihre Verpflichtungen aus Art. 15 Abs. 1, Abs. 2 Buchstabe g) und Abs. 3 der Richtlinie 2006\/123\/EG des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 12. Dezember 2006 \u00fcber Dienstleistungen im Binnenmarkt (Dienstleistungsrichtlinie) versto\u00dfen hat, dass sie verbindliche Honorare f\u00fcr die Planungsleistungen von Architekten und Ingenieuren beibehalten hat.<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt: <\/strong><\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger, der ein Ingenieurb\u00fcro betreibt, verlangt von der Beklagten die Zahlung restlicher Verg\u00fctung aufgrund eines im Jahre 2016 abgeschlossenen Ingenieurvertrages, in dem die Parteien f\u00fcr die vom Kl\u00e4ger zu erbringenden Ingenieurleistungen bei einem Bauvorhaben der Beklagten ein Pauschalhonorar in H\u00f6he von 55.025 \u20ac vereinbart hatten.<\/p>\n<p>Nachdem der Kl\u00e4ger den Ingenieurvertrag gek\u00fcndigt hatte, rechnete er im Juli 2017 seine erbrachten Leistungen in einer Honorarschlussrechnung auf Grundlage der Mindests\u00e4tze der HOAI 2013 ab. Mit der Klage hat er eine noch offene Restforderung in H\u00f6he von 102.934,59 \u20ac brutto geltend gemacht.<\/p>\n<p><strong>Bisheriger Prozessverlauf: <\/strong><\/p>\n<p>Das Landgericht hat die Beklagte zur Zahlung von 100.108,34 \u20ac verurteilt. Auf die Berufung der Beklagten hat das Oberlandesgericht die Beklagte zur Zahlung von 96.768,03 \u20ac verurteilt. Mit der vom Oberlandesgericht zugelassenen Revision verfolgt die Beklagte ihren Antrag auf vollst\u00e4ndige Klageabweisung weiter.<\/p>\n<p>Das Oberlandesgericht hat die Auffassung vertreten, dem Kl\u00e4ger stehe ein restlicher Verg\u00fctungsanspruch nach den Mindests\u00e4tzen der HOAI 2013 zu. Die im Ingenieurvertrag getroffene Pauschalpreisvereinbarung sei wegen Versto\u00dfes gegen den Mindestpreischarakter der HOAI als zwingendes Preisrecht unwirksam. Das im Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik Deutschland ergangene Urteil des EuGH \u00e4ndere nichts an der Anwendbarkeit der ma\u00dfgeblichen Bestimmungen der HOAI 2013 zum Mindestpreischarakter.<\/p>\n<p>Der Bundesgerichtshof hat das Verfahren mit Beschluss vom 14. Mai 2020 (<a class=\"RichTextIntLink PressRelease\" title=\"Vorabentscheidungsersuchen an den EuGH zur Frage der Unionsrechtswidrigkeit der HOAI-Mindests\u00e4tze\" href=\"https:\/\/www.bundesgerichtshof.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2020\/2020059.html?nn=10690868\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">vgl. Pressemitteilung Nr. 59\/2020<\/a>) ausgesetzt und dem EuGH in einem Vorabentscheidungsersuchen mehrere Fragen zur Fortgeltung der in der HOAI 2013 statuierten verbindlichen Mindests\u00e4tze f\u00fcr Planungs- und \u00dcberwachungsleistungen der Architekten und Ingenieure vorgelegt.<\/p>\n<p>Der EuGH hat mit Urteil vom 18. Januar 2022 &#8211; C-261\/20 \u00fcber diese Fragen entschieden. Der Bundesgerichtshof wird nun die m\u00fcndliche Verhandlung fortsetzen.<\/p>\n<p><strong>Vorinstanzen: <\/strong><\/p>\n<p><strong>VII ZR 174\/19 <\/strong><\/p>\n<p>LG Essen &#8211; Urteil vom 28. Dezember 2017 &#8211; 6 O 351\/17<\/p>\n<p>OLG Hamm &#8211; Teilverzichts- und Schlussurteil vom 23. Juli 2019 &#8211; 21 U 24\/18 (BauR 2019, 1810)<\/p>\n<p><strong>Die ma\u00dfgeblichen Vorschriften lauten: <\/strong><\/p>\n<p><strong>Honorarordnung f\u00fcr Architekten und Ingenieure (2013) <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a7 1 Anwendungsbereich <\/strong><\/p>\n<p>Diese Verordnung regelt die Berechnung der Entgelte f\u00fcr die Grundleistungen der Architekten und Architektinnen und der Ingenieure und Ingenieurinnen (Auftragnehmer oder Auftragnehmerinnen) mit Sitz im Inland, soweit die Grundleistungen durch diese Verordnung erfasst und vom Inland aus erbracht werden.<\/p>\n<p><strong>\u00a7 7 Honorarvereinbarung <\/strong><\/p>\n<p>(1) Das Honorar richtet sich nach der schriftlichen Vereinbarung, die die Vertragsparteien bei Auftragserteilung im Rahmen der durch diese Verordnung festgesetzten Mindest- und H\u00f6chsts\u00e4tze treffen.<\/p>\n<p>(2) \u2026<\/p>\n<p>(3) Die in dieser Verordnung festgesetzten Mindests\u00e4tze k\u00f6nnen durch schriftliche Vereinbarung in Ausnahmef\u00e4llen unterschritten werden.<\/p>\n<p>(4) \u2026<\/p>\n<p>(5) Sofern nicht bei Auftragserteilung etwas anderes schriftlich vereinbart worden ist, wird unwiderleglich vermutet, dass die jeweiligen Mindests\u00e4tze gem\u00e4\u00df Absatz 1 vereinbart sind.<\/p>\n<p>(6) \u2026<\/p>\n<p><strong>Richtlinie 2006\/123\/EG des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 12. Dezember 2006 \u00fcber Dienstleistungen im Binnenmarkt (Dienstleistungsrichtlinie) <\/strong><\/p>\n<p><strong>Art. 15 Zu pr\u00fcfende Anforderungen <\/strong><\/p>\n<p>(1) Die Mitgliedstaaten pr\u00fcfen, ob ihre Rechtsordnungen die in Absatz 2 aufgef\u00fchrten Anforderungen vorsehen, und stellen sicher, dass diese Anforderungen die Bedingungen des Absatzes 3 erf\u00fcllen. Die Mitgliedstaaten \u00e4ndern ihre Rechts- und Verwaltungsvorschriften, um sie diesen Bedingungen anzupassen.<\/p>\n<p>(2) Die Mitgliedstaaten pr\u00fcfen, ob ihre Rechtsordnung die Aufnahme oder Aus\u00fcbung einer Dienstleistungst\u00e4tigkeit von folgenden nicht diskriminierenden Anforderungen abh\u00e4ngig macht:<\/p>\n<p>\u2026<\/p>\n<p>g) der Beachtung von festgesetzten Mindest- und\/oder H\u00f6chstpreisen durch den Dienstleistungserbringer;<\/p>\n<p>\u2026<\/p>\n<p>(3) Die Mitgliedstaaten pr\u00fcfen, ob die in Absatz 2 genannten Anforderungen folgende Bedingungen erf\u00fcllen:<\/p>\n<p>a) Nicht-Diskriminierung: die Anforderungen d\u00fcrfen weder eine direkte noch eine indirekte Diskriminierung aufgrund der Staatsangeh\u00f6rigkeit oder &#8211; bei Gesellschaften &#8211; aufgrund des Orts des satzungsm\u00e4\u00dfigen Sitzes darstellen;<\/p>\n<p>b) Erforderlichkeit: die Anforderungen m\u00fcssen durch einen zwingenden Grund des Allgemeininteresses gerechtfertigt sein;<\/p>\n<p>c) Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit: die Anforderungen m\u00fcssen zur Verwirklichung des mit ihnen verfolgten Ziels geeignet sein; sie d\u00fcrfen nicht \u00fcber das hinausgehen, was zur Erreichung dieses Ziels erforderlich ist; diese Anforderungen k\u00f6nnen nicht durch andere weniger einschneidende Ma\u00dfnahmen ersetzt werden, die zum selben Ergebnis f\u00fchren.<\/p>\n<p>(5-7) \u2026<\/p>\n<p>Karlsruhe, den 27. April 2022<\/p>\n<p>Pressestelle des Bundesgerichtshofs<br \/>\n76125 Karlsruhe<br \/>\nTelefon (0721) 159-5013<br \/>\nTelefax (0721) 159-5501<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der schwerpunktm\u00e4\u00dfig unter anderem f\u00fcr das Architektenrecht zust\u00e4ndige VII. 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