{"id":494,"date":"2018-02-07T05:34:54","date_gmt":"2018-02-07T04:34:54","guid":{"rendered":"http:\/\/dresdentipps.de\/?p=494"},"modified":"2018-02-07T05:34:54","modified_gmt":"2018-02-07T04:34:54","slug":"kurtaxe-badeorte-erheben-trotz-urteil-weiterhin-gebuehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dresdentipps.de\/?p=494","title":{"rendered":"Kurtaxe: Badeorte erheben trotz Urteil weiterhin Geb\u00fchren"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:left' class='yasr-auto-insert-visitor'><\/div><p>F&uuml;r Menschen, die ihren Urlaub ausschlie&szlig;lich am Mittelmeer, in der Karibik und &auml;hnlichen Warmbader-Destinationen verbringen, m&uuml;ssen diese Begrifflichkeiten vielleicht kurz erkl&auml;rt werden. An den deutschen Str&auml;nden gibt es zwar nicht unbedingt immer sensationell sch&ouml;nes Wetter, feinwei&szlig;en Sand und badewannenwarmes Wasser. Manchmal ist sogar &uuml;berhaupt kein Wasser zu sehen, Stichwort Ebbe.<\/p>\n<p>Dennoch haben die &ouml;ffentlichen deutschen Seeb&auml;der etwas zu bieten, was es sonst praktisch nur an Privatstr&auml;nden gibt: Kassenh&auml;uschen. Darin sitzen Leute, die man sich &auml;hnlich stressresistent vorstellen muss wie Serviceschalter-Mitarbeiter der Bahn. An ihnen brandet in jedem Sommer der Unmut von Urlaubern auf, die nicht einsehen wollen, dass ihnen hier eine Geb&uuml;hr f&uuml;r etwas abgekn&ouml;pft wird, das &uuml;berall sonst auf der Welt ein selbstverst&auml;ndliches Allgemeingut ist: der Strand.<\/p>\n<p><strong>Wer baden will, muss zahlen<\/strong><\/p>\n<p>&Uuml;berall an Nord- und Ostsee sto&szlig;en Urlauber auf Billettbuden und Ticketautomaten, an denen auch im 21. Jahrhundert noch dieser skurrile Wegezoll erhoben wird, der mal Strandeintritt hei&szlig;t und mal Kurtaxe. Das Meer war schon lange da, bevor es auf diesem Planeten Menschen gab. Dennoch muss, wer ein erfrischendes Bad im Meer nehmen oder auch nur ein paar Schritte am Wasser spazieren m&ouml;chte, fast &uuml;berall in Deutschland erst mal eine Strandmaut entrichten.<\/p>\n<p>Damit muss nun Schluss sein. Das Bundesverwaltungsgericht ver&ouml;ffentlichte jetzt die 26 Seiten starke Begr&uuml;ndung eines Urteils aus dem letzten Jahr, wonach jeder Deutsche ein Recht darauf hat, die Str&auml;nde des Landes zu Erholungszwecken frei zu betreten. Ein Sieg f&uuml;r den 67-j&auml;hrigen K&uuml;stenbewohner Janto Just, der f&uuml;r sein Recht, an den verschlickten Str&auml;nden seiner Heimatgemeinde Wangerland an der Nordsee kostenlos spazieren gehen zu d&uuml;rfen, durch alle Instanzen geklagt hatte.<\/p>\n<p>&bdquo;Die allgemeine Handlungsfreiheit im Sinne des Artikel 2 Absatz 1 Grundgesetz sch&uuml;tzt jede Form menschlichen Handelns, also auch das Betreten des Strandes&ldquo;, gaben die Richter dem Mann recht. Ein fl&auml;chendeckendes Eintrittsgeld f&uuml;r Str&auml;nde ist demnach unzul&auml;ssig. Kommunen oder Privatunternehmen d&uuml;rfen allenfalls an einzelnen Strandabschnitten ein Entgelt erheben, wenn dort eine entsprechende Badeinfrastruktur vorgehalten wird. Ein paar Abfallbeh&auml;lter und ein Klocontainer, so das Gericht, rechtfertigten noch keine Strandgeb&uuml;hr.<\/p>\n<p>Freier Strand f&uuml;r freie B&uuml;rger? Denkste. Jenseits vom sch&ouml;nen Wangerland am Wattenmeer scheint sich an den deutschen K&uuml;sten durch das Urteil niemand gro&szlig; angesprochen zu f&uuml;hlen. Die meisten Seeb&auml;der denken offenbar gar nicht daran, ihre Kassenh&auml;uschen abzubauen. &bdquo;Nach der anf&auml;nglichen Aufregung hat sich mittlerweile Entspannung eingeschlichen&ldquo;, sagt J&ouml;rn Klimant, Vorsitzender des Tourismusverbandes Schleswig-Holstein. &bdquo;Bei einer ersten Auswertung des Urteils gehen wir davon aus, dass sich f&uuml;r Schleswig-Holstein grunds&auml;tzlich kein Handlungsbedarf ergibt.&ldquo;<\/p>\n<p>Die im Urteil beschriebene Situation, so begr&uuml;ndet Klimant das nordische Achselzucken, sei ja gar &bdquo;nicht 1:1 auf Schleswig-Holstein anwendbar&ldquo;. Strandgeb&uuml;hren selbst f&uuml;r Tagesg&auml;ste seien f&uuml;r einige Menschen zwar immer auch ein Ansto&szlig; der Kritik. &bdquo;Die kommen aus Mallorca und finden es dann das Normalste auf der Welt, an den Strand zu gehen und nichts zu bezahlen.&ldquo; Doch der Strandeintritt werde ja nicht erhoben, um &bdquo;die Badewannen der Kurdirektoren mit Geld zu f&uuml;llen&ldquo;. Es sei alles eine Frage des Verh&auml;ltnisses von Leistung und Gegenleistung.<\/p>\n<p>Ob im feinen Sand an der L&uuml;becker Bucht oder an den weiten Nordseestr&auml;nden &ndash; in Schleswig-Holstein werde schon jetzt nur da Strandeintritt erhoben, wo auch eine Menge daf&uuml;r geboten werde. &bdquo;Da k&ouml;nnen Sie Eis essen, aufs Klo gehen, der Strand wird vielleicht von der DLRG bewacht&ldquo;, schildert der oberste Tourismusbeauftragte des Nordlandes. Es gebe daneben immer auch K&uuml;stenabschnitte, wo die Menschen kostenlos ans Wasser d&uuml;rfen. &bdquo;Da ist dann aber auch nichts.&ldquo;<\/p>\n<p><strong>&bdquo;Wir planen aktuell keine &Auml;nderungen&ldquo;<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht so wie in Gold auf Fehmarn? Bei dem Ort mit dem schillernden Namen handelt es sich tats&auml;chlich um kaum mehr als eine Wiese mit horrenden Parkgeb&uuml;hren, von welcher man &uuml;ber einen gepflasterten Weg an einen zwei Meter breiten Kiesstrand gelangt. Das Wasser ist bis weit hinein seicht und veralgt. Der einzige Grund, warum Menschen hierherkommen, ist, dass man gut windsurfen kann. Von der touristischen Infrastruktur her ist Gold eher Blech. Dennoch muss jeder Besucher auf dem Weg zum Strand ein Zwei-Euro-Ticket am Kurtaxenautomat l&ouml;sen. Zumindest theoretisch &ndash; die Akzeptanz scheint nicht sehr hoch zu sein.<\/p>\n<p>&bdquo;Es gibt in Gold vielleicht keine klassische Badeinfrastruktur. Aber wir sind verpflichtet, die Kurtaxe auf der ganzen Insel zu erheben&ldquo;, sagt Tourismusdirektor Oliver Behncke. Es gebe auf der Insel immerhin 40 Toilettenh&auml;uschen zu reinigen, au&szlig;erdem m&uuml;sse das Veranstaltungsprogramm finanziert und die Strandpromenade in Schuss gehalten werden. F&uuml;r das alles werde die Kurtaxe ben&ouml;tigt. Aber wo es in Gold doch bis auf ein Klo gar nichts gibt &ndash; h&auml;tten die Leute da nicht das h&ouml;chstrichterlich best&auml;tigte Recht, die Zahlung zu verweigern? &bdquo;Wir planen aktuell keine &Auml;nderungen&ldquo;, sagt Behncke.<br \/>Ganz anders, aber aus beh&ouml;rdlicher Sicht doch nicht ganz, ist die Lage an der Nordsee. In Sankt Peter-Ording ist der Strand selbst bei Hochwasser so lang und breit, dass man den n&auml;chsten Spazierg&auml;nger manchmal nur als kleinen Punkt am Horizont erkennt. Regattafelder von Strandseglern k&ouml;nnen hier im Sand ihre Runden drehen, ohne den Badeg&auml;sten ins Gehege zu kommen. An kaum einem anderen deutschen K&uuml;stenort kann man ein solches Gef&uuml;hl von Weite und Freiheit erleben.<\/p>\n<p><strong>Ein Nichts f&uuml;r drei Euro am Tag<\/strong><\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich ist es dann auch bis zur n&auml;chsten Kaltwasserdusche oder Toilette schon mal ein zwei Kilometer langer Fu&szlig;marsch gegen den Wind. Ein richtiges Strandbad, wie es die Leipziger Richter in ihrem Urteil beschreiben, findet man in Sankt Peter-Ording nur zu F&uuml;&szlig;en der ber&uuml;hmten Stelzenh&auml;user. Der bewirtschaftete Bereich macht h&ouml;chstens zehn Prozent der Strandfl&auml;che aus, wahrscheinlich viel weniger. Rund herum ist kilometerweit auf herrliche Weise gar nichts. Ein Nichts, f&uuml;r das die Gemeinde Tagesg&auml;sten in der Saison allerdings drei Euro abkn&ouml;pft.<\/p>\n<p><strong>Ist damit jetzt Schluss?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, sagt Tourismusdirektorin Constanze H&ouml;finghoff. &bdquo;Wir erheben in Sankt Peter-Ording keinen Strandeintritt&ldquo;, stellt sie klar, &bdquo;sondern eine Kurabgabe!&ldquo; Jeder, der keinen dauerhaften Wohnsitz in Sankt Peter-Ording habe und sich dort aufhalte, sei zu dieser Abgabe verpflichtet. Ganz egal, ob er wirklich zur Kur hier ist oder nur mal kurz Seeluft schnuppern will.<\/p>\n<p>Daf&uuml;r gebe es dann auch diverse Verg&uuml;nstigungen wie die kostenlose Nutzung des Ortsbusses, des Familientreffpunkts Kinderspielhaus, erm&auml;&szlig;igter Eintritt in die D&uuml;nentherme et cetera. Aber vielleicht wollen das viele gar nicht, sondern einfach nur mal eben an den Strand? Die Kurabgabe, sagt H&ouml;finghoff, sei im Kommunalabgabegesetz des Landes Schleswig-Holstein geregelt. Allerdings gebe es auch Strandzug&auml;nge, an denen die Kurkarten nicht kontrolliert w&uuml;rden. Eine Aufforderung zum Schwarzbaden?<\/p>\n<p><strong>Kommt bald die Waldtaxe?<\/strong><\/p>\n<p>&bdquo;Es ist unglaublich, wie sich Kommunen einfach &uuml;ber h&ouml;chstrichterliche Entscheidungen hinwegsetzen&ldquo;, &auml;rgert sich Janto Just, der Kl&auml;ger von Leipzig. Selbst in seiner Heimatgemeinde am Wattenmeer scheint nach dem Urteil noch immer nicht alles klar zu sein.<\/p>\n<p>&bdquo;Wenn der Strandeintritt entf&auml;llt, fehlen uns 500.000 Euro im Jahr&ldquo;, hadert Bj&ouml;rn M&uuml;hlena, der hauptamtliche B&uuml;rgermeister. Die Kosten f&uuml;r die Strandunterhaltung l&auml;gen ohnehin doppelt so hoch. Selbstverst&auml;ndlich werde man das Urteil respektieren, zugleich suche man nach alternativen Finanzierungsm&ouml;glichkeiten.<\/p>\n<p>Irgendwie, so scheint es, soll auf jeden Fall abkassiert werden. Janto Just k&uuml;ndigt schon jetzt an, dass er erneut vor Gericht ziehen will, wenn sich die Strandb&auml;der so billig aus der Aff&auml;re zu ziehen versuchen. &bdquo;Ein Strand ist keine Kureinrichtung. Ich werde auf jeden Fall dagegen klagen!&ldquo; Womit Just gleich in Mecklenburg-Vorpommern weitermachen k&ouml;nnte. In praktisch allen Kur- und Erholungsorten an der K&uuml;ste wird von den G&auml;sten eine Kurtaxe erhoben.<\/p>\n<p>Und das will man offenbar auch erst mal so beibehalten. &bdquo;Nach unserer Einsch&auml;tzung wird das Urteil keine direkten Auswirkungen auf unsere Methodik haben&ldquo;, sagt Tobias Woitendorf, stellvertretender Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer des Tourismusverbands Mecklenburg-Vorpommern. Aber vielleicht kommt auf Meckpomm-Urlauber stattdessen ja noch eine weitere Natur-Geb&uuml;hr hinzu.<\/p>\n<p>Der Landwaldbesitzerverband Mecklenburg-Vorpommern kommt nun mit der Idee aus den Str&auml;uchern, dass man doch auch f&uuml;r Waldspazierg&auml;nge Eintritt nehmen k&ouml;nnte, eine sogenannte Waldtaxe. Das erscheint selbst den Touristikern des Landes des Guten zu viel. &bdquo;Es wird G&auml;sten schwer zu vermitteln sein, dass sie nun selbst f&uuml;r einen Spaziergang durch den Wald etwas zahlen sollen&ldquo;, bef&uuml;rchtet Woitendorf. &bdquo;Eine Waldtaxe erscheint uns nicht sinnvoll und auch nicht durchsetzbar.&ldquo; Aber das haben die Leute vor der Einf&uuml;hrung der Strandtaxe vermutlich auch gesagt.<\/p>\n<p>Quelle: WELT<\/p>\n<h3>PRESSEKONTAKT<\/h3>\n<p><b>wwr publishing GmbH &#038; Co. 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Das ist unmenschlich!\u201c.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"yasr_overall_rating":0,"yasr_post_is_review":"","yasr_auto_insert_disabled":"","yasr_review_type":""},"categories":[858],"tags":[1370,1371,1372,1373],"yasr_visitor_votes":{"stars_attributes":{"read_only":false,"span_bottom":false},"number_of_votes":0,"sum_votes":0},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/494"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=494"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/494\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=494"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=494"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=494"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}