{"id":4871,"date":"2022-03-08T05:30:34","date_gmt":"2022-03-08T04:30:34","guid":{"rendered":"https:\/\/dresdentipps.de\/?p=4871"},"modified":"2022-03-07T14:57:44","modified_gmt":"2022-03-07T13:57:44","slug":"russlands-krieg-und-die-konjunktur-inflationsrisiken-im-fokus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dresdentipps.de\/?p=4871","title":{"rendered":"Russlands Krieg und die Konjunktur: Inflationsrisiken im Fokus"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:left' class='yasr-auto-insert-visitor'><\/div><div class=\"layout_full block\">\n<div class=\"ce_text block\">\n<p><strong>Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat zu einem sprunghaften Anstieg der Preise f\u00fcr \u00d6l und Gas gef\u00fchrt und damit die bereits vor Ausbruch des Krieges bestehenden Inflationsrisiken signifikant erh\u00f6ht, schreibt Axel D. Angermann, Chef-Volkswirt des Investmenthauses Feri-Gruppe, in einem aktuellen Marktkommentar.<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn Sanktionen des Westens explizit so ausgestaltet sind, dass russische Energielieferungen weiterhin bezahlt werden k\u00f6nnen, beschr\u00e4nke der Ausschluss wichtiger Banken aus dem SWIFT-System und die Sanktionen gegen die russische Zentralbank die Verwendungsm\u00f6glichkeiten Russlands f\u00fcr die Einnahmen aus dem \u00d6l- und Gasgesch\u00e4ft erheblich. Dies k\u00f6nnte Putin laut Angermann zu Gegensanktionen verleiten: Eine Verringerung oder sogar der Stopp russischer Energieexporte nach Europa bleibt ein Szenario mit signifikanter Wahrscheinlichkeit. Neben diesen beiden Rohstoffen sind auch die Preise f\u00fcr Weizen \u2013 ein Viertel des weltweiten Exports stammt aus Russland und der Ukraine \u2013 und f\u00fcr Palladium \u2013 40 Prozent des f\u00fcr Fahrzeugkatalysatoren verwendeten Metalls stammt aus Russland \u2013 anf\u00e4llig f\u00fcr deutliche Preissteigerungen. Weil sich der Konflikt mit Russland l\u00e4nger hinziehen werde, m\u00fcsse insgesamt mit einem dauerhaft erh\u00f6hten Preisniveau f\u00fcr Rohstoffe gerechnet werden.<\/p>\n<p>Modellrechnungen von Feri zeigen, dass die Inflationsrate im Euroraum, die bereits jetzt \u00fcber f\u00fcnf Prozent liegt, in den kommenden Monaten auf bis zu sieben Prozent steigen und auch danach nur langsam zur\u00fcckgehen d\u00fcrfte. Ende des Jahres 2022 k\u00f6nnte sie immer noch bei rund 4,5 Prozent liegen und w\u00e4re damit knapp zwei Prozentpunkte h\u00f6her als die bisherigen Prognosen, so Angermann. Im Jahresdurchschnitt erg\u00e4be sich damit eine Inflationsrate von knapp sechs Prozent. Auch in den USA werde sich der Inflationseffekt aufgrund der indirekten Wirkung steigender Preise f\u00fcr russisches \u00d6l und Gas auf das globale Energiepreisniveau bemerkbar machen. Laut Angermann sei der Effekt dort mit einer im Jahresdurchschnitt um etwa einen Prozentpunkt h\u00f6heren Inflation aber weniger stark ausgepr\u00e4gt als im Euroraum.<\/p>\n<p>\u201eDie R\u00fcckkehr der Inflationsraten auf das von den Notenbanken angestrebte Niveau von etwa zwei Prozent r\u00fcckt damit in immer weitere Ferne. Das hat auch Folgen f\u00fcr die Konjunktur: Die anhaltend hohe Inflation wird die Wachstumsdynamik im Euroraum im Jahr 2022 um etwa 0,3 Prozentpunkte und im kommenden Jahr um etwa 0,5 Prozentpunkte d\u00e4mpfen. Der Aufschwung bleibt aber insgesamt intakt, was h\u00f6here Lohnforderungen der Arbeitnehmervertreter zum Ausgleich der hohen Inflation nach sich ziehen d\u00fcrfte. Damit w\u00e4chst die Gefahr einer Verfestigung des allgemeinen Preisauftriebs.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich die Fed von den j\u00fcngsten Ereignissen kaum von ihrem bereits klar eingeschlagenen geldpolitischen Straffungskurs abbringen lassen d\u00fcrfte, versch\u00e4rft sich das Dilemma f\u00fcr die EZB noch einmal zus\u00e4tzlich: Die aus einem exogenen Preisschock resultierenden wirtschaftlichen Belastungen f\u00fcr den Euroraum k\u00f6nnten ein Anlass sein, den Einstieg in die geldpolitische Straffung nochmals aufzuschieben. Allerdings hat die Reputation der EZB zuletzt erheblich darunter gelitten, dass sie die Inflationsgefahr viel zu lange kleingeredet und die Lage insgesamt falsch eingesch\u00e4tzt hat. Wie der EZB-Rat dieses Dilemma aufl\u00f6sen will und ob es ihm \u00fcberhaupt gelingt, ist die gro\u00dfe Frage, die EZB-Chefin Lagarde auf der spannendsten Sitzung seit langem am 10. M\u00e4rz beantworten muss\u201c, so Angermann abschlie\u00dfend. <em>(DFPA\/JF1)<\/em><\/p>\n<p><em>Die 1987 gegr\u00fcndete Feri-Gruppe mit Sitz in Bad Homburg ist in den Gesch\u00e4ftsfeldern Verm\u00f6gensberatung und -verwaltung sowie Wirtschaftsforschung t\u00e4tig. Seit 2006 geh\u00f6rt die Unternehmensgruppe zum MLP-Konzern. Derzeit betreut Feri zusammen mit MLP ein Verm\u00f6gen von 53 Milliarden Euro, darunter knapp 13 Milliarden Euro alternative Investments. Die Feri-Gruppe unterh\u00e4lt neben dem Hauptsitz in Bad Homburg weitere B\u00fcros in D\u00fcsseldorf, Hamburg, M\u00fcnchen, Luxemburg, Wien und Z\u00fcrich.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.feri.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">www.feri.de<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat zu einem sprunghaften Anstieg der Preise f\u00fcr \u00d6l und Gas gef\u00fchrt und damit die bereits vor Ausbruch des Krieges bestehenden Inflationsrisiken signifikant erh\u00f6ht, schreibt Axel D. Angermann, Chef-Volkswirt des Investmenthauses Feri-Gruppe, in einem aktuellen Marktkommentar. 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