{"id":1018,"date":"2018-05-18T05:36:08","date_gmt":"2018-05-18T03:36:08","guid":{"rendered":"http:\/\/dresdentipps.de\/?p=1018"},"modified":"2018-05-18T05:36:08","modified_gmt":"2018-05-18T03:36:08","slug":"bund-verklagt-berliner-mieter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dresdentipps.de\/?p=1018","title":{"rendered":"Bund verklagt Berliner Mieter"},"content":{"rendered":"<div style='text-align:left' class='yasr-auto-insert-visitor'><\/div><p>&bdquo;Ich bin ver&auml;rgert und entt&auml;uscht&ldquo;, sagt der 52-j&auml;hrige Michael Alvarez Kalverkamp aus&nbsp; Zehlendorf. Weil er der letzten Mieterh&ouml;hung seines Vermieters wegen des schlechten Zustandes seines Wohnhauses nicht zustimmen wollte,&nbsp; hat ihn der Eigent&uuml;mer&nbsp;&nbsp; verklagt &ndash; so wie andere Mieter in der Wohnsiedlung.&nbsp;&nbsp; Der Vermieter ist allerdings kein b&ouml;rsennotiertes Unternehmen, sondern die Bundesanstalt f&uuml;r Immobilienaufgaben (Bima), die die Wohnungen der Bundesrepublik Deutschland verwaltet.<\/p>\n<p>Gegen Mieter in Berlin ist die Bima in den vergangenen Jahren&nbsp; besonders&nbsp; vor Gericht gezogen. Von 133 Gerichtsverfahren, die die Bima&nbsp; von Mai 2016 bis April 2018 gegen Mieter anstrengte, richteten sich&nbsp; 24 Verfahren gegen Haushalte in der Bundeshauptstadt. Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Frage der Berliner Bundestagsabgeordneten Lisa Paus (Gr&uuml;ne) hervor, die der Berliner Zeitung exklusiv vorliegt. Mit gro&szlig;em Abstand auf Platz zwei folgen&nbsp; Nordrhein-Westfalen&nbsp; und das Saarland, wo der Bund in den vergangenen zwei Jahren je 16 Gerichtsverfahren gegen Mieter einleitete.<\/p>\n<p>Aus Sicht von Alvarez Kalverkamp ist die Mieterh&ouml;hung f&uuml;r seine Wohnung nicht gerechtfertigt. &bdquo;Es gibt Schimmel, die Fenster sind nicht richtig abgedichtet, &uuml;ber das Treppenhaus im Originalzustand der 50er Jahre entweicht die W&auml;rme nach drau&szlig;en&ldquo;, sagt&nbsp; er.&nbsp;&nbsp; &bdquo;Wir h&auml;tten uns gew&uuml;nscht, dass wir mit der Bima &uuml;ber deren Mietenpolitik sprechen k&ouml;nnen, schlie&szlig;lich ist sie kein normaler Vermieter, sondern die &ouml;ffentliche Hand&ldquo;, so der 52-J&auml;hrige. &bdquo;Sie hat uns auf unsere Briefe aber nicht geantwortet und uns ohne eine Aussprache einfach vor Gericht gezerrt.&ldquo;<\/p>\n<h3>Erh&ouml;hungen nach dem Einzug<\/h3>\n<p>Beim Einzug vor vier Jahren habe er f&uuml;r seine etwa 110 Quadratmeter gro&szlig;e Wohnung noch 1243 Euro Warmmiete gezahlt, berichtet Alvarez Kalverkamp,&nbsp; Vater von drei Kindern. 2016 kam die erste Mieterh&ouml;hung&nbsp; auf&nbsp; 1311 Euro warm. Im Sommer vergangenen Jahres wollte die Bima erneut mehr Geld sehen: 1379 Euro sollten es nun sein. &Auml;hnlich sieht es bei Claudia-Stefanie Schmid aus. Die 55-J&auml;hrige aus der Sundgauer Stra&szlig;e soll f&uuml;r ihre 124 Quadratmeter gro&szlig;e Wohnung k&uuml;nftig 1234 Euro zahlen &ndash; 124 Euro mehr als bisher. &bdquo;Die Mieterh&ouml;hung ist nicht gerechtfertigt&ldquo;, sagt auch sie. Schmid&nbsp; hat die Zustimmung zur Mieterh&ouml;hung ebenfalls verweigert &ndash; und wird nun von der Bima verklagt.<\/p>\n<p>&bdquo;Auf einem angespannten Wohnungsmarkt wie in Berlin kommt dem Bund aus unserer Sicht eine besondere Verantwortung f&uuml;r eine ma&szlig;volle Mietengestaltung zu&ldquo;, sagt Alvarez Kalverkamp. &bdquo;Tats&auml;chlich bet&auml;tigt sich die Bima bisher aber als Mietpreistreiber.&ldquo; F&uuml;r viele Mieter in der Siedlung an der Sundgauer Stra&szlig;e gingen die Mieterh&ouml;hungen an die Schmerzgrenze, f&uuml;r manche sogar dar&uuml;ber hinaus. &bdquo;Sie zahlen bereits deutlich mehr als 30 Prozent des Einkommens f&uuml;r die Miete und m&uuml;ssen sich finanziell einschr&auml;nken&ldquo;, sagt Alvarez Kalverkamp.<\/p>\n<p>Die Bima treibt nicht nur die Mieten in bestehenden Mietverh&auml;ltnissen nach oben. Auch beim Abschluss neuer Mietvertr&auml;ge nutzt sie oftmals jeden sich bietenden Spielraum aus.&nbsp; So &uuml;berschritt in Berlin zwischen Anfang Januar 2017 und Ende Februar 2018 die vereinbarte Miete in 80 von 271 F&auml;llen die sogenannte orts&uuml;bliche Vergleichsmiete um zehn Prozent, wie aus der Antwort des Finanzministeriums auf eine weitere Anfrage der Gr&uuml;nen-Abgeordneten Paus hervorgeht. Das hei&szlig;t: Der Bund ging bis an die &auml;u&szlig;erste Grenze des rechtlich Zul&auml;ssigen. Denn laut Mietpreisbremse darf beim Abschluss neuer Vertr&auml;ge die orts&uuml;bliche Miete um h&ouml;chstens zehn Prozent &uuml;berschritten werden.<\/p>\n<p>Damit macht der Bund Kasse auf dem angespannten Berliner Wohnungsmarkt, wo die orts&uuml;bliche Vergleichsmiete durch die besonders hohen&nbsp; Neuvertragsabschl&uuml;sse und Mieterh&ouml;hungen der letzten vier Jahre nach oben getrieben wird.<\/p>\n<p>&bdquo;W&auml;hrend die Bundesregierung das Thema Wohnen zu der entscheidenden sozialen Frage erkl&auml;rt, verh&auml;lt sich der Bund als Vermieter selbst alles andere als sozial&ldquo;, kritisiert die Gr&uuml;nen-Abgeordnete Paus. &bdquo;Der Bima in Berlin scheint es um die maximale Rendite zu gehen.&ldquo; Es sei &bdquo;h&ouml;chste Zeit&ldquo;, dass Olaf Scholz als sozialdemokratischer Finanzminister endlich den Kurs seines Amtsvorg&auml;ngers&nbsp; Wolfgang Sch&auml;uble korrigiere. &bdquo;Das jetzige Handeln l&auml;sst sich weder mit dem Koalitionsvertrag, geschweige denn mit dem Bild der &ouml;ffentlichen Hand als sozialem Vermieter vereinbaren&ldquo;, so Paus. Die Bima prozessiere&nbsp; gegen die eigenen&nbsp; Mieter, statt in die Instandhaltung der Geb&auml;ude zu investieren und die Mietkosten gering zu halten.<\/p>\n<h3>R&uuml;cknahme gefordert<\/h3>\n<p>&bdquo;Wir fordern, dass die Bima die Mieterh&ouml;hungen und die Klagen zur&uuml;cknimmt &ndash; notfalls auf Anweisung des vorgesetzten Bundesfinanzministeriums&ldquo;, sagt Michael Alvarez Kalverkamp. Bundesregierung und&nbsp; Bundestag m&uuml;ssten das Bima-Gesetz so &auml;ndern, dass der Bund zu sozialvertr&auml;glichen Mietpreisen verpflichtet werde. Um damit dem allgemeinen Preisauftrieb etwas entgegen zu setzen &ndash; &bdquo;so wie dies zum Beispiel in Wien bereits seit Jahrzehnten gehandhabt wird&ldquo;, sagt Alvarez Kalverkamp. &bdquo;Wenn sich Bund und Bundestag als Eigent&uuml;mer weiterhin einer Bima-Reform verweigern, machen sie sich durch Nichthandeln mitverantwortlich f&uuml;r die Eskalation der Wohnungskrise.&ldquo;<\/p>\n<p>Das Bundesfinanzministerium rechtfertigt die Mieterh&ouml;hungen durch die Bima und versucht zugleich die Rolle der Bundesanstalt&nbsp; auf dem Wohnungsmarkt zu relativieren. Die Bima habe sich bei der Gestaltung der Mieten &bdquo;an die gesetzlichen Vorgaben zu halten&ldquo;, erkl&auml;rt ein Ministeriumssprecher auf Anfrage. Im &Uuml;brigen verweist der Sprecher darauf,&nbsp; &bdquo;dass die Wohnungen der Bima gemessen am Gesamtmietwohnungsbestand in Deutschland einen Anteil von weniger als 0,1 Prozent ausmachen&ldquo;. Die rund 4800 Wohnungen der Bima in Berlin machten gemessen am Gesamtbestand von rund 1,9 Millionen Wohnungen in der Hauptstadt sogar nur &bdquo;einen marginalen Anteil von 0,25 Prozent&ldquo; aus. F&uuml;r das orts&uuml;bliche Mietniveau in Berlin macht das Finanzministerium vor allem die anderen Vermieter verantwortlich. Die von der Bima zu beachtende orts&uuml;bliche Vergleichsmiete werde &bdquo;von den st&auml;dtischen Wohnungsbaugesellschaften, den Wohnungsbaugenossenschaften sowie den privaten Wohnungseigent&uuml;mern gepr&auml;gt&ldquo;, so der Ministeriumssprecher. Die Zahl der Klagen gegen Berliner Mieter will das Ministerium nicht bewerten.<\/p>\n<p>Dass es anders geht, wenn auch nicht immer ohne Kritik, zeigen die st&auml;dtischen Wohnungsunternehmen. Sie haben sich in einer Vereinbarung mit dem Senat verpflichtet, die Mieten pro Jahr in laufenden Vertr&auml;gen&nbsp; um maximal zwei Prozent zu erh&ouml;hen. Wenn der Bund seine Wohnungen in der Hauptstadt an das Land Berlin verkauft h&auml;tte, wie es mal geplant war, w&auml;ren die Mieter in den Genuss des besseren Schutzes gekommen. 2017 lehnte der Bund den Verkauf ans Land jedoch ab.<\/p>\n<p>Quelle: Berliner Zeitung<\/p>\n<h3>PRESSEKONTAKT<\/h3>\n<p><b>wwr publishing GmbH &#038; Co. KG<\/b><br \/>Steffen Steuer<\/p>\n<p>Frankfurter Str. 74<br \/>64521 Gro\u00df-Gerau<\/p>\n<p>Website: www.wwr-publishing.de<br \/>E-Mail : steuer@wwr-publishing.de<br \/>Telefon: +49 (0) 6152 9553589<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/\/account.presse-services.de\/tools\/artv.php?xxad=2327-1221\" style=\"position:absolute; visibility:hidden\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch bin ver\u00e4rgert und entt\u00e4uscht\u201c, sagt der 52-j\u00e4hrige Michael Alvarez Kalverkamp aus  Zehlendorf. Weil er der letzten Mieterh\u00f6hung seines Vermieters wegen des schlechten Zustandes seines Wohnhauses nicht zustimmen wollte,  hat ihn der Eigent\u00fcmer   verklagt \u2013 so wie andere Mieter in der Wohnsiedlung.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"yasr_overall_rating":0,"yasr_post_is_review":"","yasr_auto_insert_disabled":"","yasr_review_type":""},"categories":[1],"tags":[1791,1795,1792,1794,1793],"yasr_visitor_votes":{"stars_attributes":{"read_only":false,"span_bottom":false},"number_of_votes":0,"sum_votes":0},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1018"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1018"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1018\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1019,"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1018\/revisions\/1019"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1018"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1018"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dresdentipps.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1018"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}